Des Menschen Ballast
Hans Petri erhöht in der Frankfurter Galerie Perpetuel mit Hilfe der Popkultur die .Lautstärke
VON SANDRA DANICKE
Man kann das alles nicht so leicht abschütteln. Die Rauminstallationen von Hans Petri nehmen einen irgendwohin mit, wo man womöglich gar nicht hin möchte. Doch die Neugier ist größer, und man will dann doch sehen, was mit der Frau, den Frauen, die der Künstler erst in diese seltsamen Posen gebracht, dann fotografiert hat, deren Fotos er wahlweise erneut fotografiert oder abgepaust und schließlich mit Schrift versehen hat, noch so geschieht. Man ahnt: Es ist etwas Abgründiges.
Rote Pobacken, eine Leine um den Hals der Frau, ein uringelber See, eine umwickelte Brustwarze lassen nichts Gutes ahnen. Einmal gibt es Spuren auf der Haut, die auf Fesselungen schließen lassen. „Wenn ihr wollt, erhöhen wir die Lautstärke", so ist der Titel der aktuellen Ausstellung von Hans Petri, nach einem der suggestiven Sätze, die der Künstler seinen Frauenporträts zugeordnet hat.
Gut möglich, dass das alles inszeniert ist. Genauso gut möglich, dass hier einer öffentlich macht, was normalerweise allenfalls hinter zugezogenen Vorhängen geschieht. Nicht gerade das, was in edlen Hochglanzmagazinen kursiert, für spezielle SM-Maga- zine aber vermutlich nicht deutlich genug. Hans Petri fotografiert also Frauen, seine Freundin, befreundete Künstlerinnen oder Damen aus der SM-Szene, die er über Anzeigen kennen gelernt hat.
Treibend und technoid
Der Frankfurter Künstler (Jahrgang 1963), der an der Städelschule studiert hat, präsentiert diese Fotos, Zeichnungen, Fundstücke in Überwältigenden Rauminstallationen wie riesige Collagen. Überwältigend nicht nur wegen der Vielzahl und Unterschiedlichkeit der Einzelteile, sondern auch wegen der dazu laufenden Musik, die stets treibend und technoid ist und natürlich deshalb, weil er sich traut, seine Obsessionen - von denen nicht immer klar ist, ob er sie auslebt - öf
fentlich zu machen, sie künstlerisch zu bearbeiten und ihnen dadurch sogar eine gewisse Anmut und Schönheit zu verleihen.
Dies tut er häufig - so wie jetzt in der Galerie Perp&uel - in einem popkulturellen Kontext. Zahllose Piktogramme findet man an den Wänden, von Superhelden bis Hello Kitty. Charakteristisch ist das ständig erneute Überarbeiten alter Bilder. So finden sich bestimmte Gemälde wieder und wieder in seinen Fotos und letztere tauchen in immer neuen Fotos auf, als abfotografierte Collagen, wie der Ballast - vielleicht eine Art Seelenmüll den jeder Mensch in immer neuen Varianten sein Leben lang mit sich herum trägt. Neurosen womöglich, an denen sich einer wie Hans Petri exemplarisch und äußerst produktiv abarbeitet - die Raumecke liegt voller Fototaschen und Stapel. Un- glaublich voll.
Galerie Perpetuel, Oppenheimer Straße 39 in Frankfurt: bis 18. Oktober. Di.-Do. 18-21, Sa. 10-14 Uhr.
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